Von Sisyphos, Orpheus und Konsorten

Kaum aus den Ferien zurück, liest der gewissenhafte Pilot, vorzugsweise noch bevor er den Koffer auspackt, die Firmenmails. So musste ich meinen ersten Schreck schon wenige Minuten nach dem Eintreffen im trauten Heim verarbeiten.

 

Da stand doch schwarz auf blütenweissem Bildschirm, dass ich umsonst die elektronische Hölle durchlitten hätte, weil die mühsam erdachte und an schönen Sommertagen, vom armen Typen von der Maintenance programmierte Verfahrenstrainer Lektion, einer Programmänderung zum Opfer fiel und nicht mehr benötigt würde. Liebe Grüsse von Sisyphos.

 

Als kleiner Trost sollte aber das zur Vorbereitung auf die Lektion erstellte Briefing erhalten bleiben und gemäss meinem Lieblingsmotto, ins neue Schulungsprogramm aufgenommen werden. Genau gleich, nur ganz anders. Und übrigens, der Abgabetermin wurde um gut zwei Wochen vorverlegt…

 

Das Gute am Ganzen war, dass sich so mein Dilemma, ob ich diese Woche in Tokyo den Fuji besteigen, in aller Herrgottsfrühe den Fischmarkt besuchen oder meinen Hinterteil im Schwefelwasser einer heissen Quelle verbrühen sollte, von alleine löste. Statt dessen war nun klar, dass ich, in trauter Zweisamkeit mit meinem Laptop, mein Briefing von Grund auf überarbeiten würde und als ich im Anflug auf Narita den Fujisan erblickte, legte ich eine Gedenkminute für Tantalos ein.

 

Nach sieben Stunden PowerPoint im Hotelzimmer knurrte mein Magen beträchtlich. Das Sushi schmeckte nun aber um so besser und anschliessend wurden im Barge Inn die Nieren mit Bier shamponiert. Die im Hotel wartende Arbeit veranlasste mich danach, zusammen mit dem harten Kern meiner Besatzung, zur Flucht in die Karaoke Bar „The Cage“. Leider waren dort die Sänger noch schlechter als im folgenden YouToube Filmli:

 

 

Zu bereits recht vorgerückter Stunde entschlossen sich dann ein paar Jünger des Orpheus – oder vielleicht waren es auch Anhänger von Dionysos – einen Chor zu bilden. Die Gesangsqualität hätte selbst Hades aus der Unterwelt vertrieben. So schien mir das halbfertige Briefing plötzlich das kleinere Übel zu sein und ich machte mich auf den Rückweg ins Hotel.

 

Die Bilanz meiner Tokyoratation: Exakt 24 Stunden Flugzeit, eine Landung, zwei Bier (oder waren es drei?), 8 Arten Sushi, während 9 Stunden hinter dem Laptop 87 PowerPoint Folien erstellt und mir somit etwas Freizeit für meine Tokyo Rotation nächste Woche erarbeitet…

 

…falls nicht eine weitere Programmänderung dazwischen kommt.

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2 Antworten to “Von Sisyphos, Orpheus und Konsorten”

  1. Ilse aus München Says:

    my heart bleeds for you!

  2. skypointer Says:

    Mine too…B-)

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