Bella Italia

Airline Crews eignen sich vortrefflich als ethnologische Studienobjekte. Heute war dies am Frühstücksbüffet wieder einmal besonders augenfällig. Während die Schweizer Piloten in ihren artspezifischen karierten Hemden Kaffee schlürfend ihr Birchermüesli verzehrten und darauf warteten, dass die gestern eingetroffene Kabinenbesatzung zehn Minuten vor Torschluss noch ans Büffet stürmt, um sich für den Rest des Tages mit Joghurt, Äpfeln und Bananen auszurüsten, veranstalteten mehrere Alitalia Besatzungen zwischen Brotkörben, Früchteplatten und Kaffeespender eine bunte Modeschau.

 

Ciao Bella! Sei ance qui?“ hallte es vom braungebrannten Steward quer durch den Saal zur perfekt gestylten, mit Stöckelschuhen und Foulard bewaffneten Stewardess, die gerade im Frühstücksraum einschwebte. Wie er seine Kollegin, hinter seiner überdimensionierten Sonnenbrille, im Schummerlicht der Hotellobby erkennen konnte, bleibt wohl ewig ein Rätsel.

 

Die ganze Besatzung erhob sich laut schnatternd und man knutschte sich während etwa zehn Minuten gegenseitig ab, bevor man sich, mit ebenso viel Dezibel, wieder an den Esstischen ausbreitete.

 

Danach kam der grosse Auftritt das Kopiloten. Jedenfalls bestanden die beiden Raubkatzen am Tisch darauf, dass es sich bei diesem italienischen Prachtexemplar nur um den Kopiloten handeln könne. Er erschien etwa 30 Minuten vor Torschluss zum Frühstück, gesellte sich aber nicht etwa zu seinen Kolleginnen und Kollegen, sondern posierte zentral am engsten Durchgang, so dass er sicher sein konnte, dass jeder anwesende Gast seine makellos gebräunte Ausnahmeerscheinung würdigen konnte und dass alle Damen die noch eine Frucht oder ein Croissant am Büffet holen wollten, mit ihm auf Tuchfühlung gehen mussten.

 

Von den neuesten Armani Klamotten kündeten die unübersehbaren Aufschriften am T-Shirt und die cool über die Augenbrauen geklemmte Sonnenbrille mit übergrossen Bvlgari Signet strahlte nicht nur sportliche Eleganz aus, ohne die Sicht auf die versammelte Weiblichkeit zu behindern, sondern eignete sich auch perfekt dazu die knapp schulterlangen, schon leicht graumelierten Haare soweit zu zähmen, dass nur ein paar akkurat drapierte Strähnen lässig ins Gesicht fielen.

 

Von so viel geballter Männlichkeit angetan, bildete sich natürlich bald eine Traube von Bewunderinnen um den südländischen Adonis, was dazu führte, dass dem völlig ignorierten schweizerischen Pendant zum italienischen Fliegerhelden der Weg zum Kaffeenachschub vollständig abgeschnitten wurde und er von Koffeinmangel geplagt, seine Unterlegenheit neidvoll anerkennend, von dannen zog…

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2 Antworten to “Bella Italia”

  1. Peter Says:

    Hehe, unsere italienischen Freunde 🙂 It’s never too dark to be cool…

    In welchem Hotel seid Ihr denn in GRU? Wir sind im Grand Hyatt, aber dort seid Ihr mir/uns (LH) noch nie über den Weg gelaufen 😦 Schade eigentlich – wäre bestimmt lustig!

    Liebe Grüße!

  2. skypointer Says:

    Wir sind im Golden Tulip Paulista Plaza.

    Stimmt schon, mit den Besatzungen unserer „Mutti“ LH ist es immer lustig…

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