Mit Raubkatzen in Brasilien

Nach zwei Monaten Fernost hat es mich wieder einmal nach Südamerika verschlagen. In Sao Paulo wurden wir zwar von unserer Kabinenbesatzung schon am ersten Tag wieder verlassen, dafür wurden wir während unseres Aufenthalts von zwei treuen Schweizer Luchsen, die sich, als bengalische Raubkatzen getarnt, auf unseren Flug geschlichen hatten, begleitet.

 

Da Grosskatzen gehörig Auslauf benötigen, betätigte ich mich am ersten Tag als Reiseführer und zeigte den beiden Büsis die Brasilianische Metropole. In der Betonwüste Sao Paulos muss man sich die Sehenswürdigkeiten allerdings mühsam zusammensuchen und dabei das angrenzende Chaos gezielt ausblenden.

 

 

 

Apropos Chaos, die Stadtführung begann ich in der Rua 25 de Março. In dieser Marktgasse für Einheimische herrscht jeweils ein Durcheinander, welches sogar jenes vom Samstagmorgen in der Migros übertrifft. Die Strasse ist gesäumt von Läden in denen allerlei Ramsch verscherbelt wird. Schuhe, Kleider in riesigen Wühlkisten, Modeschmuck und Elektroschrott wollen an den Mann oder die Frau gebracht werden. Auf der Strasse wird dieses an sich schon umfassende Angebot noch von fliegenden Strassenhändlern ergänzt, von denen jeder den bedauernswerten Touristen von seiner absolut einmaligen Wahre überzeugen will. Zwischen knatternden elektrischen Fliegentötern, surrenden Massagestäben und dem vorbei flitzenden Ball eines neuen Strandspiels, zwischen Rolex Uhren, Gucci Taschen und Ray Ban Sonnenbrillen, die selbst für einen Piloten veraltet aussehen, dröhnt Musik aus Lautsprechern und soll den Passanten dazu animieren, statt Lieder oder Software selber vom Internet zu klauen, frisch auf CD gebrannt zu kaufen. Auch die Freunde des Films kommen nicht zu kurz. Von Ice Age 3 über den neusten Harry Potter bis zur brasilianischen Billigproduktion, bei der offenbar selbst das Geld für die Kleider der Schauspielerinnen gefehlt hat, lässt sich hier alles erstehen.

 

Aus dem Chaos retteten wir uns in den Mercado Municipal, wo in einer wesentlich gepflegteren Atmosphäre von der Ananas über Baccalà, Fleisch und Gewürze bis zur Zitrone alles denkbare fürs leibliche Wohl angeboten wird. Danach ging es über den alten Bahnhof Estação da Luz und die Catedral da Sé auf das Edificio Itália von dessen Dachterrasse aus wir den Ausblick auf die Betonwüste genossen.

 

 

 

 

 

Nach diesem Stadtmarathon schritten wir zur Fütterung der Raubtiere, was dank der karnivoren Veranlagung der Einheimischen keine grösseren Probleme bereitete. Dass dabei Raubkatzen ganze Berge von Fleisch verzehren, war mir von Beginn weg klar. Dass sie danach aber auch mit Bioethanol gestreckte Limettensäftli zu schätzen wissen, war für mich eher überraschend. Ich hoffe die beiden Katzen kriegen davon keinen Kater…

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: