LX FORTY – Pilotosophische Betrachtung

Da ich LX40 schon mehrmals pilotiert habe, fühle ich mich berufen den neuen SWISS Werbefilm „LX FORTY“ durch meine beruflichen deformierte Brille zu betrachten.

 

Augenfällig sind natürlich die Pyramiden, die ich allerdings bisher nur auf dem Flug LX236 nach Kairo gesehen habe. Auch die vielen Zahnräder sucht man auf unseren vollelektronischen Airbussen vergeblich und die schönen Dodekaeder, Doppelhelixen und Raumstrukturen finden sich höchstens in der Wissenschaftsliteratur, mit der ich mir meine Rotationsaufenthalte verkürze. 

 

Schön in Szene gesetzt ist hingegen unser neuer Firstclass Sitz. Leider trifft man diesen, bis die A340 umgerüstet ist, erst auf der neuen A330-300 an und diese wird zur Zeit exklusiv auf LX14 nach New York eingesetzt.

 

Der Film gibt also, obwohl zweifellos gut gemacht, aus fliegerischer Sicht visuell eher wenig her. Deshalb habe ich mir die Mühe genommen den hoch philosophischen Text zu verstehen und zu kommentieren.

 

„Die Wahrheit über Dich erfährst Du nur, wenn Du dich erinnerst, warum Du auf die Reise gingst.“

Meine Reise trete ich gewöhnlich an, weil der Planungsrechner mir wieder mal ganz böse mitgespielt hat. Welche Wahrheit sagt das über mich aus? Mein Leben hängt völlig vom Computer ab. Jeder der schon mal mit Microsoft zu tun hatte weis, dass das nicht gut gehen kann!

 

„Ich hatte damit begonnen mir Filme anzuschauen, um herauszufinden wie das Leben sein könnte.“

Ja Herrgott, wer verwechselt denn heute noch Filme mit der Realität! Junge geh raus – dort findet das Leben statt!

 

„Ich mochte oft nicht was ich sah.“

Na klar nicht. Bei all den doofen Filmen, in denen am Schluss die Hostess das Flugzeug landet. Obwohl die Ladies meist recht ansehnlich waren…

 

„Tagelang blieb ich im Bett, mir die Welt vorstellend.“

Das Bett ist zum schlafen da. Die Welt kannst Du, wie schon gesagt, draussen sehen. Auch die hübschen Ladies sind da!

 

„Es gibt zwei Arten der Lüge, die unser Leben bestimmen. Diejenige, die wir den andern erzählen und diejenige, die wir uns selbst erzählen.“

Und dann gibt es noch diejenige, die uns erzählt wird. Diese hören wir von denjenigen, die über unser Leben bestimmen wollen – Manager und Politiker.

 

„Liebe ist die einzige Antwort, die ich auf der Suche nach Wahrheit gefunden habe.“

Liebe und Wahrheit? Es wird wohl nirgends öfter gelogen als in Liebesbelangen.

 

„Ich bewege mich vorwärts, schaue nicht zurück, bis es nicht mehr weiter geht.“

Nur wer auch zurück schaut kann etwas lernen. So verhindert man an den Punkt zu kommen, an dem es nicht mehr weiter geht.

 

„Das Leben bewegt sich schneller als wir uns selbst.“

Hoffentlich nur räumlich. Wenn uns das Leben auch in der zeitlichen Dimension überholen würde, dann wären wir ja alle von Gestern!

 

„Wir kommunizieren mehr, aber sagen weniger.“

Das denke ich jeweils auch, wenn ich die unzähligen, inhaltsarmen Werbefilme sehe, mit denen ich zugespammt werde.

 

„Manchmal ist es so schnell, dass ich mich selbst nicht mehr erkenne. Bis ich gegen eine Wand stosse und realisiere, dass alles nur Schein ist.“

Kenne ich aus der Fliegerei! Manchmal geht alles so schnell, dass man sich geistig irgendwo in der Region der Economy Toilette befindet. Wenn man sich da nicht Zeit verschafft, dann fliegt man tatsächlich irgendwann gegen eine Wand – die ist aber nur allzu real!

 

„Nichts ist mehr wie es war.“

 Oh tempores, oh mores! Früher war alles besser.

 

„Es ist Zeit bewusster und langsamer zu leben. Uns auf das Wesentliche zu besinnen.“

Aber ganz bewusst nicht zu langsam werden. Das ist wesentlich, da es sonst nicht mehr fliegt!

 

„Dorthin zurückfinden wo alles begann. So wie einst, als sich ein Tag noch wie eine Ewigkeit anfühlen konnte.“

Beim Planungsrechner, dort beginnt das Elend. Und nicht der Tag, sondern die Nachtflüge fühlen sich wie eine Ewigkeit an.

 

„Alles was wir tun können ist Verantwortung zu übernehmen.“

Sag das einem Piloten. It’s our daily business!

 

„Um nur etwas in unserem täglichen Leben besser zu machen als wir es vorgefunden haben.“

Fein! Darf ich ein paar Vorschläge machen? Einsatzplanung, Einsatzstabilität, Ferienreglement, Flight Duty Regulations….

 

„Es ist der Weg zurück, auf dem wir uns erinnern, warum wir die Reise begonnen haben.“

Eben wegen dem unsäglichen Planungsrechner. Das weis ich aber jeweils schon auf dem Hinflug.

 

„Wie die Raupe auf dem Weg zum Schmetterling.“

Oder wie der Pilot, der sich während seinen Freitagen, wie ein Phönix, wieder aus der Asche seines Jetlags erheben sollte.

 

„Wünschst Du Dir nicht fliegen zu können? Ich schon.“

Oh ja, nach zwei kurzen Freitagen vor der nächsten Freinacht, da wünsche ich mir jeweils auch nicht fliegen zu können…

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7 Antworten to “LX FORTY – Pilotosophische Betrachtung”

  1. Richi Says:

    Just one word: Klasse!

  2. Dide Says:

    Raffiniert zusammengestellter Beitrag! Ich kann deine Kommentare bestens verstehen. Vielleicht sollte ich mir jetzt endlich einmal den Film anschauen…

  3. Peter Says:

    Du hast mich aus meiner Sprachlosigkeit zu LX FORTY gerettet. Sehr schön geschrieben!!

  4. eb Says:

    offensichtlich wär die Lösung all deiner Probleme einfach ein Self-Grounding ihm Rahmen der Aufnahme einer Magager Tätigkeit 😉

  5. eb Says:

    MaNager meinte ich natürlich

  6. skypointer Says:

    @Richi & Peter
    Danke 🙂

    @Dide
    Wenn Du meinen Beitrag gelesen hast, erfährst Du im Film nichts neues.

    @eb
    Eine Management Tätigkeit? Ich betreibe täglich Time, Fuel, Energy, Fatigue und Crew Resource Management. Bei nur einer Managementaufgabe wäre ich hoffnungslos überfordert. Deshalb werde ich es wohl bei einem Teilgrounding während meiner Instruktionstage belassen…

  7. LX Forty (2009) Says:

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