Verlorene Freunde

Manchmal ist der Titel meines Blogs völlig unpassend. Dann wird einem plötzlich vor Augen geführt, wie schnell und brutal das Schicksal zuschlagen kann. Obwohl ich beim SR 111 Unglück schon Freunde betrauern musste, habe ich die Möglichkeit einer solchen Katastrophe schon bald wieder verdrängt. Um so mehr trifft es mich jetzt wieder und es fehlen mir die Worte.

 

Deshalb lasse ich an dieser Stelle einen besseren Schreibenden unter den Piloten für mich sprechen. Im ersten Zitat erklärt Antoine de Saint-Exupéry, warum wir Piloten uns unter einander so verbunden fühlen und im zweiten zeigt er die Trauer der Zurückgebliebenen aus der Sicht des Verschollenen:

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„Wir Piloten sind es gewöhnt, lange auf ein Wiedersehen zu warten. Denn die Kameraden einer Strecke sind in die weite Welt verteilt wie Schildwachen, die nicht miteinander sprechen können… Für einen kurzen Abend sitzt man um einen Tisch in Casablanca, in Dakar, in Buenos Aires und nimmt, nach Jahren des Stillschweigens, unterbrochene Gespräche wieder auf. Dann geht es weiter. Auf diese Weise ist die Welt leer und reich zumal. Reich an diesen verborgenen Gärten, die nur schwer zugänglich sind, zu denen uns aber unser Beruf doch immer wieder führt. Das Leben trennt uns oft von den Kameraden, es hindert uns sogar, viel an sie zu denken. Aber sie sind da, wenn man auch nicht recht weiss wo. Sie lassen nichts von sich hören, und wir denken kaum an sie, und doch sind sie uns treu! Wenn sich dann die Wege kreuzen, packen sie uns bei den Schultern und strahlen vor Freude. Ja wir verstehen zu warten.“

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„Ich erblicke die Augen meiner Frau, ich kann nichts anders mehr sehen. Sie schauen mich fragend an. Jetzt erblicke ich die Augen aller derer, denen vielleicht an mir gelegen war, eine Versammlung von Blicken warf mir mein Schweigen vor. Und ich antworte doch! Ich antworte, so laut ich kann. Ich kann doch keine hellere Flamme in die Nacht hinaus senden!

 

Jedesmal, wenn ich die wartenden Augen sah, brannte es mir im Herzen, packte mich der rasende Wunsch geradewegs loszulaufen. Dort drüben schreien sie um Hilfe, dort drüben leiden sie Schiffbruch! So eigenartig kehren sich die Rollen um… Ich kann mich gut damit abfinden, einzuschlafen, für eine Nacht, wie für Jahrhunderte… Aber die Schreie von dort drüben, diese grossen Flammen der Verzweiflung, die kann ich nicht ertragen. Vor solchem Unglück kann ich nicht mit verschränkten Armen stehen. Jede Sekunde, die ich ruhig verharre, ist Mord an denen, die mir die Liebsten sind.

 

Nicht wir waren die Schiffbrüchigen. Das waren vielmehr die Wartenden, die unser Schweigen bedrohte.“

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Auf Wiedersehen liebe Kollegen – wir werden Euch nicht vergessen.

 

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Eine Antwort to “Verlorene Freunde”

  1. Tomy Says:

    …vielleicht ist es genau die Nähe zum fatalen Unglück, dass alle in der Fliegerei Beschäftigen so einander näher bringt. Selbst im Konkurrenzkampf tritt nach solchen Unglücken eine Pause ein….

    Gruss,
    Tomy (bisher stiller Mitleser)

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