Sidi Barrani

Auf meinem Flug nach Nairobi hatte ich mehrere Begegnungen mit der Weltpolitik. Natürlich war nicht Obama an Bord, nicht einmal Muammar al-Qadhafi, aber mit eben diesem Wüstendespoten mussten wir uns bereits bei der Flugvorbereitung auseinandersetzen.

 

Seit sein Fils du Papa in Genf, wegen verprügeln seiner Angestellten, vorübergehend in Haft genommen wurde, ist der wüste Despot nämlich nicht mehr gut auf die Schweiz zu sprechen. Zuerst wurden, als Retourkutsche, zwei Schweizer verhaftet, die auch heute, nach mehreren Monaten, das Land noch immer nicht verlassen dürfen. Gleichzeitig wurde mit dem Stopp der Öllieferungen gedroht. Als der ölige Diktator aber merkte, dass der Lieferstopp nur seiner eigenen Tasche schadet, begann er statt dessen Schweizer Firmen zu drangsalieren und wer böte sich da mehr an, als die SWISS. Folgerichtig wurden zuerst die Streckenrechte nach Tripolis gestrichen und seit ein paar Wochen ist uns selbst das Durchfliegen des libyschen Luftraumes verboten.

 

Deshalb mussten wir, auf unserem Nairobi Flug, einen Umweg über Ägypten und den Sudan in Kauf nehmen. Dabei fiel mir ein, wie glücklich wir uns schätzen müssen, dass Carla Del Ponte nicht mehr Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs ist, da uns sonst vom sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, der von diesem Gericht, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zur Verhaftung ausgeschriebenen ist, wohl auch diese letzte Flugroute nach Ostafrika verbaut würde!

 

Da die gute Carla aber zur Zeit noch, mit einem von Madame Calmy-Rey verordneten Maulkorb, in Argentinien weilt, blieben die einzigen Hindernisse auf unserem Weg nach Kenia ein paar Gewitterzellen. Nach einem kurzen Tankstopp und der der Verabschiedung der Hälfte unserer Gäste in Nairobi, setzten wir zum Hüpfer nach Dar es Salaam an, wo ich mich, in Begleitung dreier netter junger Damen, auf einer einsamen Insel im indischen Ozean, von den Strapazen der Weltgeschichte erholen konnte.

 

Aber was hat des Ganze nun mit Sidi Barrani zu tun? Oder besser, wer ist das überhaupt? Etwa ein neuer Begleiter von Kara Ben Nemsi, alias Old Shatterhand, in einem bisher unentdeckten Karl May Roman? Oder heisst so der nächste grössenwahnsinnige Diktator irgendwo zwischen Ouagadougou und Mogadischu?

 

Weit gefehlt! Sidi Barrani ist ein Navigationsfunkfeuer an der Ägyptischen Mittelmeerküste, welches wir auf unserer neuen Route überfliegen. Zudem ist es auch ein verschlafenes, von der Wüstenhitze versengtes Kaff, in dem vor vielen Jahren wohl einmal ein paar Schweizer festsassen und dabei, so stelle ich mir das zumindest vor, halb tot vor Langeweile den Jass (für Deutsche: Kartenspiel) Sidi Barrani erfunden haben. Damit schliesst sich der Kreis, denn vielleicht erfinden die in Tripolis festsitzenden Schweizer ebenfalls eine Abwandlung des Schweizer Nationalspiels und nennen es dann Qadhafi…

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2 Antworten to “Sidi Barrani”

  1. Peter Says:

    Den Ausdruck „Sidi Barrani“ habe ich wirklich vor vielen, vielen Jahren zuletzt im Appenzellerland beim Jassen gehört.
    Ich habe mir übrigens erlaubt, deinen Blog in meine Blogroll aufzunehmen.
    Happy landing!!
    Peter

  2. skypointer Says:

    Da halte ich natürlich glatt Gegenrecht!

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