Verschwörungstheorien

Egal wohin man geht, fährt oder fliegt, man kommt zur Zeit nicht um Verschwörungstheorien herum, denn die Werbemaschinerie von Hollywood wirbt überall plakativ und aggressiv, für seinen neuesten Kassenschlager „Illuminati“.

 

Ich bin jetzt zwar nicht unter die Kinokritiker gegangen – ich habe den Film noch nicht einmal gesehen – aber dennoch mache ich mir natürlich gewisse Gedanken zu den Aktualitäten unserer Zeit und so bleibt es mir als Schweizer nicht verborgen wie schlecht mein Land immer wieder abschneidet.

 

Im aktuellen Fall von Illuminati spielen gleich zwei Institutionen, auf die wir Schweizer stolz sind, eine äusserst dubiose Rolle. Zuerst ist da das CERN, welches kaum hat sich die Aufregung über die potentielle Zerstörung der Welt mittels eines schwarzen Lochs, Pannen bedingt, etwas gelegt, schon wieder sein zerstörerisches Potential durchblicken lässt, indem es, ebenso realistisch, beim Versuch mithilft den Vatikan mit Antimaterie ins Jenseits zu befördern. Vor diesen Hintergrund ist es natürlich verständlich, dass Österreich kürzlich beschlossen hat seine Mitgliedschaft in dieser gefährlichen Organisation zu beenden. Beim neuen Flugzeug, welches am Anfang des Buches vorkommt, dem HSCT oder High Speed Civil Transport, würde ich allerdings, auch auf die Gefahr hin selber als Erleuchteter verdächtigt zu werden, gerne mal Hand anlegen 😉

 

Die zweite Schweizer Institution, die bei Dan Brown schlecht weg kommt, ist die Schweizer Garde. Bis zum Schluss rätselt der Leser, ob die Bewacher des Vatikans vom Bösen unterwandert sind und auch als am Ende ihre Unschuld bewiesen ist, bleibt der schale Beigeschmack eines ahnungslosen, arroganten und obstruktiven Haufens von Möchtegern Leibwächtern.

 

Natürlich sind wir Schweizer schon von „Sakrileg“  gewohnt, dass Dan Brown uns zu Buhmännern stempelt. Nur zu gut ist der intrigante Schweizer Bankier in Paris in Erinnerung geblieben und bei der Prieuré de Sion (deren wahre Geschichte findet man hier) wird mit keinem Wort erwähnt, dass Sion in der Schweiz liegt!

 

Auch in anderen Filmen werden wir Schweizer systematisch schlecht gemacht. Stellvertretend sei hier das böse Schweizer Muttersöhnchen aus dem letzten James Bond Streifen „Quantum of Solace“ oder der unfähige Botschaftsangestellte Balsiger in „Ernstfall in Havanna“ erwähnt.

 

Viel schlimmer als all diese literarischen und cineastischen Machwerke ist allerdings, dass die Schweiz auch in der Realität, falls die Politik denn etwas mit dieser zu tun hat, immer mehr in Ungnade fällt. So orten politische Verschwörungstheoretiker, wohl angespornt von den Marketingerfolgen Hollywoods und verwirrt durch die Folgen ihres eigenen Misserfolges, den Hort alles Bösen in der angeblichen Steueroase Schweiz und vergessen dabei geflissentlich, dass Oasen nur in Wüsten existieren und dass nicht die Oasen, sondern die Wüsten Anlass zur Sorge sind.

 

Auch innenpolitisch versorgt die Schweiz die Verschwörungstheoretiker immer wieder mit Nahrung. So wurde gestern, mit einer höchst suspekten Mehrheit 50.1%, die Einführung des biometrischen Passes und damit verbunden die flächendeckende  Erfassung und Speicherung der Fingerabdrücke aller Schweizer beschlossen. Nach der amerikanischen Einwanderungsbehörde, nach VISA, Master-, Migros Cumulus- und Coop Supercard, nach Youtube und Facebook, darf nun also auch der Schweizer Staat, die Schutzmacht aller Bösen und Banker, sensitive Daten seiner Bürger erfassen! Da ist es nur verständlich, dass das Gros der Schweizer Jungpolitiker und die Hälfte der (abstimmenden) Bevölkerung diese offensichtliche Verschwörung des Staates gegen seinen unbescholtenen Souverän, verhindern wollte. Einziger Lichtblick in diesem Umfeld bildet da der ebenfalls gestern beschlossene, verfassungsmässige Schutz der komplementären Quacksalber vor der Verschwörung der bösen Wissenschaftlichkeit.

 

Abschliessend frage ich mich, wie ein vernünftiger Mensch ernsthaft glauben kann, dass die Mondlandung nie statt fand, dass das World Trade Center absichtlich gesprengt wurde, dass Elvis lebt oder dass die UBS absichtlich amerikanischen Kunden bei der Steuerhinterziehung half. All diese paranoiden Hirngespinste könnten einen logisch denkenden Menschen zur Verzweiflung treiben, aber zum Glück weis ich ja, dass dies alles nicht real sein kann, denn das Universum ist bekanntlich nur in eine Computersimulation…

 

 

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6 Antworten to “Verschwörungstheorien”

  1. Richi Says:

    …fehlen nur noch die „Chemtrails“…
    da haben Sie aber in ein Wespennest hineingepointed. Habe mich auch schon gefragt, wie es zu solch abstrusen, wenn auch weitverbreiteten Verschwörungstheorien kommen kann.
    Eine mögliche Antwort wäre u.a. ein zu kurz gekommenes, tief verwurzeltes menschliches Bedürfnis, angesichts einer auf reiner Naturwissenschaft begründeten, komplett durchrationalisierten Welt. Eine Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen, okkult Hintergründigen, unsaussprechlich Verschwiegenen, das sich vielleicht solcherart verschroben Luft macht.
    Wie auch immer…zufällig habe ich „Illuminati“ das Buch gelesen, jedoch den Film nicht gesehen.
    Im Buch wirft ein Altertumsforscher namens Langdon einige religionshistorische Fragen auf, die im Film wohl kaum vorkommen.
    Hier ein Auszug:
    „Ist denn überhaupt etwas am Christentum echt?“
    Langdon antwortete:
    „Es ist eine Tatsache, dass jede organisierte Religion nur wenig Echtes besitzt.
    Als die frühen Christen ihre alten Gottheiten aufgaben – heidnische Götter, griechische Götter, römische Götter -, wollten sie von der Kirche wissen, wie ihr neuer Gott denn aussieht.
    Und die Kirche wählte in kluger Umsicht das meistgefürchtete, weiseste und vertrauteste Gesicht in der Geschichte der heidnischen Götter.“
    „Ein alter Mann mit einem Rauschebart?“ …lautet die Frage der verblüfften Zuhörer. Und dann deutet Langdon auf die Hierarchie der griechischen Götter auf einer Wandtafel.

    Zuoberst sass ein Mann mit weissem, langem Bart.
    „Kommt ihnen Zeus nicht irgendwie bekannt vor?“

    …was ein langer Kommentar. Edit it, if you want.

  2. skypointer Says:

    Die Chemtrails habe ich tatsächlich noch vergessen!

    Was Dan Browns Theorien angeht, so sind sie meiner Erfahrung nach allesamt unhaltbar:

    Ich bin sicher kein Experte für religionshistorische Fragen, aber da war doch mal etwas mit „Du sollst Dir kein Bildnis machen“. In den frühen christlichen Religionen wurde diesem Gebot meines Wissens noch streng gefolgt und der alte Herr mit dem Rauschebart gleicht Zeus wohl eher so sehr, weil die Maler der Renaissance sich stark an Vorbildern der griechischen Mythologie orientierten. Auch hier scheint mir Professor Langdon oder Dan Brown daneben zu liegen…

    Ich habe ebenfalls bereits einige Bücher von Dan Brown gelesen – mit Genuss, denn es ist spannende Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger.

  3. Andreas Says:

    Toll geschrieben! – als Abendunterhaltung evtl geigneter als Dan Brown!

    Ich finde die Schweizer konzentrieren sich nach wie vor auf Kleinigkeiten, die wirklich nur den Blick interessieren, und machen daraus ein Riesenthema.. es geht auch gelassener;)

    ..und was Ernstfall in Havanna und den lezten 007 angeht, haben wir es ja eigentlich uns selbst (und unseren Landsmaenner Forster und Giacobbo) zuzuschreiben, oder?

    Gruss!

  4. skypointer Says:

    …und die Krise bei der UBS haben wir auch unseren Landsleuten zuzuschreiben.

    Zum Glück sind Forster und Giacobbo Schweizer und wir sind Stolz auf sie, da sie uns auf witzige Weise den Spiegel vorhalten. Wären sie Ausländer, würde wohl gefordert ihre Filme zu verbieten. 😉

    Gelassenheit ist gut, aber die weniger Gelassenen gefallen mir auch, da sie mir ab und zu ein Thema für meinen Blog liefern…

  5. Andreas Says:

    stimmt alles genauso!

    Forster gibt dir (darf ich dir sagen?) in naechster Zukunft evtl gleich noch ein Thema.. er hat doch einen Werbespot fuer deinen Arbeitgeber gedreht, der glaub anfang Juni erscheint..

    Angesichts deiner Medien-Leistung leztens haette er dich doch gebrauchen koennen!

    Gruss!

  6. Richi Says:

    Gute Replik! Hatte ich so gar nicht bedacht; das mit den frühen Christen.
    So viel ich weiss geht der gemeinsame Stammbaum von Muslimen, Juden und Christen zurück bis zu Abraham. Bei den ersteren gilt ja nach wie vor striktes „Bilderverbot“.

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