Toxine in homöopathischen Dosen

Als ich gestern unser neues Vögelchen zum Zweiten mal nach New York chauffieren durfte, war der mediale Wirbel deutlich kleiner und so konnten wir, statt Interviews zu geben, in den ruhigeren Phasen des Fluges den sonntäglichen Blätterwald durchforsten. Beim Lesen des Sonntagsblicks blieb mir allerdings beinahe die Praline im Hals stecken, denn da stand geschrieben, dass wir Piloten langsam, durch in kleinen Mengen in Öldämpfen enthaltene Toxine, vergiftet werden. Passagiere würden zwar die gleiche Luft atmen, aber da wir Piloten aus naheliegenden Gründen mehr fliegen als unsere Gäste, seinen wir eben auch ungemein mehr gefährdet. Über unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Kabine stand allerdings nichts im bunt aufgemachten Artikel auf der prominenten Seite 2 und ich begann mich zu wundern, ob Cabin Crews wohl, wegen langjähriger Abhärtung, immun gegen Gifteleien seien oder ob sie vom Blick einfach als entbehrlich eingestuft würden.

 

Da Piloten erschreckend oft bereits wenige Jahre nachdem sie in Rente gehen sterben, liegt natürlich die Vermutung nahe, dass ein Zusammenhang mit den im Blick beschriebenen Toxinen bestehen könnte. Andrerseits existiert bereits eine sehr plausible Erklärung für das frühe Ableben meiner pensionierten Berufskollegen: Sie verhungern, weil niemand mehr da ist um sie alle 20 Minuten zu füttern.

 

Da mein Kapitän sich weigerte den Flug abzubrechen, um das die Gesundheit schädigende Umfeld rasch möglichst zu verlassen und da die Vorräte meiner Sauerstoffmaske nicht für die verbleibenden fünf Stunden Flugzeit reichten, versuchte ich mich damit zu beruhigen, dass die schmierigen Toxine die Luft offenbar nur in homöopathischen Mengen verschmutzen. Das erinnerte ich mich jedoch schmerzlich an die Diskussionssendung über die Volksabstimmung vom 17. Mai, zum Thema komplementär Medizin, die ich letzten Freitag im Schweizer Fernsehen gesehen habe.

 

Dort wurde gesagt, dass komplementär medizinische Heilmethoden neu auf ihre Wirksamkeit überprüft werden sollen und, falls sie wirklich Wirkung entfalten, neu von der Krankenkasse bezahlt würden. Eigentlich ganz gut, nur musste ich mit grossem Befremden erfahren, dass diese Wirkungstest, da diese Medikamente nicht naturwissenschaftlich seien, ebenfalls nicht nach naturwissenschaftlichen Standards durchgeführt würden, sondern, dass man zum Beispiel mittels einer repräsentativen Umfrage bei Behandelnden und Behandelten feststellen wolle, ob das Wässerchen, Pülverchen oder Hand auflegen auch nütze!

 

Zudem sollen staatlich anerkannte Diplome für komplementär medizinische Ausbildungen geschaffen werden, damit der potentielle Patient zwischen seriösen und unseriösen Therapeuten unterscheiden kann. Auch wenn ich mich jetzt in gewissen Kreisen unbeliebt mache, frage ich mich doch, wo der arme Staat in Zukunft die Grenze zwischen mit abstrusen Methoden behandelnden Scharlatanen und ebenso wirkungslosen, aber seriös ausgebildeten, diplomierten Quacksalbern ziehen soll.

 

Aber was hat das Ganze nun mit der Fliegerei und den Toxinen in Flugzeugen zu tun? Nun falls das Schweizer Volk am 17. Mai ja stimmt, dann wird in einem nächsten Schritt der Pilotenschein für yogische Flieger eingeführt und deren Guru wird vom Bundesamt für Zivilluftfahrt für eine dreiwöchige Fluglehrer Ausbildung aufgeboten, um dann im Rahmen von Saphir – die mit den penetranten Google Anzeigen auf meinem Blog – sein Können und seine Weisheiten zu vemitteln. Zudem wird das bekannte Medium Mike Shiva, im Auftrag das Bundesamtes für Gesundheit, mittels einer repräsentativen Umfrage unter allen seit 1975 verstorbenen Jetpiloten, herausfinden, ob sie an Ölvergiftung oder Mangelernährung gestorben sind…

 

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2 Antworten to “Toxine in homöopathischen Dosen”

  1. Flo Says:

    Geniale, und trotzdem plausible Erklärung 😀
    Vielleicht kann man ja eine Partner-Vermittlungsbörse für Single-FAs und -Piloten einrichten, die Partner zusammenbringt, welche etwa zur gleichen Zeit in Rente gehen. Dann ist zumindest die Fürsorge abgesichert und die ex-Piloten müssen nicht mehr verhungern…

  2. nff Says:

    🙂
    …. what else?

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