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Standard Operating Procedures

10. April 2009

Standard Operating Procedures, kurz SOP oder zu deutsch Verfahrensanweisungen werden in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern angewendet. Zur Zeit werden weltweit viele SOP überarbeitet. So hat die Schweiz bereits beschlossen in Zukunft bei Steuerhinterziehung anders zu verfahren und auch die Anweisungen, in welchem Ton der diplomatische Umgang gepflegt werden soll, scheinen in letzter Zeit in einigen Ländern überarbeitet worden zu sein. Natürlich musste sich auch die Fliegerei diesem Trend beugen und so kämpfe ich mich, wenn ich nicht gerade blogge, durch unsere druckfrischen, elektronischen Bücher, um mich in die neuesten SOP einzulesen.

 

Dabei kommt es mir so vor, als ob die Fliegerei wieder einmal neu erfunden wurde. Natürlich werden, Physik sei Dank, wenn ich am Sidestick stosse, die Häuser noch immer grösser und auch der Lärm nimmt noch immer zu, wenn ich die Gashebel nach vorne schiebe, aber es wurden unzählige Wordings ausgedehnt und etliche Verfahren verkompliziert. Wurden früher die SOP von Piloten für Piloten nach dem Motto KISS (Keep It Simple and Stupid) entwickelt, so zwingen uns heute Juristen die offiziellen, dem geistigen Niveau des dümmsten anzunehmenden Piloten angepassten Verfahren vom Hersteller zu übernehmen.

 

Als mir zum ersten mal bewusst wurde, dass Airbus versucht die SOP an mich anzupassen, fühlte ich mich natürlich geehrt, aber ich musste schnell feststellen, dass meine geistigen Fähigkeiten masslos überschätzt wurden, da mir der Sinn einiger Verfahrensänderungen partout nicht einleuchten wollte. Während in den letzten 15 Jahren zum Beispiel das Ausfahren von Störklappen und Umkehrschub nach der Landung lautlos überprüft und nur das allfällige Ausbleiben dieser erwarteten Aktionen ausgerufen wurde, so müssen neu diese Checks laut ausgeführt werden, was mich nun, wegen der schellen Abfolge der neuen Call-Outs, dazu bewogen hat einen Schnellsprechkurs zu belegen. Allgemein wird heute fast jede Aktion kommentiert und danach deren Ergebnis ausgerufen. Man stelle sich vor, dies würde im Büro eines Investmentbankers ebenso gehandhabt! Das würde dann wohl etwa folgendermassen tönen: „Schrottpapier gekauft – eine paar Milliarden vernichtet – zwei Millionen Bonus dafür kassiert“. Eigentlich unerträglich, aber ertragreich für den Banker und letztlich ertraglos für die Allgemeinheit, die das ganze zu tragen hat – hier sind wohl neue SOP nötiger als in der Fliegerei…

 

Natürlich ist die ruhige Cockpit Atmosphäre nicht erst seit der neuesten SOP Revision in Gefahr. Vielmehr findet hier nur eine Entwicklung, die schon vor Jahren begonnen hat und bei anderen Airlines zum Teil schon viel weiter fortgeschritten ist, seine konsequente Fortsetzung. Wo das Ganze hinführen kann, musste ich bereits erfahren, als ich mich nach dem Swissair Grounding bei einer Fluggesellschaft aus dem mittleren Osten bewarb und dort, beim Simulator Check, wegen der endlosen Wordings beinahe keine Zeit mehr zum fliegen fand. Der durch die zahllosen Call-Outs verursachte, permanente Lärmteppich erinnerte mich eher an einen orientalischen Bazar als an die gewohnten ruhigen Abläufe im Cockpit und in meiner Naivität führte ich dies auf den kulturellen Hintergrund der besagten Airline zurück. Heute weis ich es natürlich besser – die flogen nur nach Airbus Prozeduren.

 

Die mit der Checkerei und Doppelcheckerei verbundenen Ausrufe, gepaart mit der noch immer nicht abgeschafften Funkerei führen mittlerweile dazu, dass der pflichtbewusste Pilot beinahe keine Zeit mehr findet mit den Hostessen zu flirten und ans Zeitung lesen ist schon gar nicht mehr zu denken. Ein Skandal, wie unser Beruf kaputt gemacht wird! Wie will man da in Zukunft Nachwuchs rekrutieren? J

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