Wenn Blogger fliegen

Pioniere, egal ob in der Aviatik oder in anderen Bereichen, sind, auch wenn sie manchmal von ihren Zeitgenossen verkannt werden, die Helden ihrer Epoche. Sie wagen sich unerschrocken in unerforschte Gebiete vor und da Unbekanntes meist Angst macht und manchmal sogar echt gefährlich ist, gebührt ihnen der Dank und die Bewunderung der nachfolgenden Generationen.

Völlig unbemerkt, sowohl von der Öffentlichkeit, als auch von der Fachwelt, ist in den letzten Tagen, in der Aviatik wieder einmal eine epochale Pionierleistung vollbracht worden und es mag erstaunen, dass dies in der sonst besonders risikoscheuen Linienfliegerei geschehen ist. Damit zukünftige Generationen nicht wieder mit urheberrechtlichen Problemen zu kämpfen haben, möchte ich hier einen kurzen Abriss über die Geschehnisse liefern:

In der Vergangenheit wurde von Fachleuten und interessierten Laien des öfteren die Frage aufgeworfen, was wohl passieren würde, wenn zwei bloggende Piloten zusammen fliegen würden. Da in der Fachliteratur bisher kein entsprechender Fall dokumentiert ist, blieb Spekulationen natürlich Tür und Tor geöffnet und von einigen Untergangspropheten wurden regelrechte Horrorszenarien entwickelt. Die Rede war davon, dass zwei so öffentlichkeitsgeile Piloten, ihr offensichtlich überentwickeltes Ego unmöglich gleichzeitig in ein enges Cockpit zwängen könnten. Selbst ernannte Experten vermuteten dagegen, dass sich zwei Blog-Piloten wohl nur schriftlich miteinander unterhalten würden und selbst die grössten Optimisten gingen davon aus, dass ein solcher duplex Blogflug unweigerlich zu Räubergeschichten und Bierideen führen würde.

Angesichts der aufgeheizten Stimmung und der postulierten Gefahren erstaunt es nicht, dass es die Fluggesellschaften bisher tunlichst vermieden haben zwei Blogger auf den selben Flug zu planen. Natürlich trug auch die Angst der Manager vor den potentiell subversiven Ergüssen aus einem solchen Poetry-Jam im Cockpit dazu bei, dass keine Mühe gescheut wurde die Blogger auseinanderzuhalten. So wurden die Schreiberlinge möglichst auf verschiedene Flugzeugtypen geschult und falls dies nicht möglich war, konsequent in entgegengesetzten Himmelsrichtungen eingesetzt. Dies konnte dazu führen, dass verdienten Piloten die Teilnahme in Kernteams zur Einführung neuer Flugzeugtypen verwehrt wurde und in einem besonders krassen Fall, wurde ein bloggender Kapitän sogar in die Wüste geschickt!

Da jedoch Mr. Murphy, wenn er mal nicht im Cockpit weilt, auch in der Crew Dispo sein Unwesen treibt, hätte ich nicht weiter erstaunt sein sollen, als ich gestern Abend, beim Einchecken aus dem Bereitschaftsdienst, auf der Crewliste einen gewissen nff als zweiten Copiloten bemerkte. Natürlich intervenierte ich sofort bei der Crew Dispo, aber mein Vorschlag das gefährliche Pairing zu vermeiden, indem man mich statt nach Johannesburg nach Hong Kong oder nach Bangkok schickt wurde kommentarlos abgelehnt.

So mussten wir uns also damit abfinden durch einen Zufall unter den Pseudonymen nff und skypointer als unerschrockene Pioniere der Luftfahrt in die Geschichte einzugehen und Swiss bereitete den würdigen Rahmen für das epochale Ereignis, indem sie uns eine A340 mit Air Canada Crewbunk zuteilte. Abgesehen von den geteilten Nackenschmerzen nach den kläglichen versuchen während unserer Pionierleistung im zu kurzen Crewbunk zu schlafen, erfüllten sich die Horrorprophezeiungen der Möchtegern Experten nicht. Afrika ist allerdings noch immer ein schwarzes Loch und der Funkempfang ist auch nicht besser geworden. Der einzige Unterschied zu einen normalen Flug bestand darin, dass die lange Nacht relativ kurzweilig war. Ob dies nun am bloggenden Kollegen lag oder an den hübschen PADs, denen wir in letzter Minute noch unsere Jumpseats zur Verfügung stellten, möchte ich hier nicht tiefer ergründen…

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2 Antworten to “Wenn Blogger fliegen”

  1. nff Says:

    Zuerst möchte ich dem Herrn Skypointer ganz herzlich zum xx. Geburtstag gratulieren und mich bedanken, dass er die 265 Rand (entspricht einem 600g Filet Mignon im Butcher) für das Internet nicht gescheut hat, mein Lieblingsbild ins Netz zu stellen.
    Beunruhigte Leser kann ich besänftigen. Die Sicherheit des Fluges war trotz Doppelbloggerbesetzung, übermüdetem nff und Jumpseatschönheiten nie in Frage gestellt. Denn dieser Herr Skypointer ist nicht nur ein ausgezeichneter Schreiberling, sondern kennt sich noch beängstigend gut in den Airbusbüchern aus!

    Ich freue mich auf den Rückflug, aber nicht auf die Nacht über Afrika (heute muss ich funken ….)

  2. Dide Says:

    Tolle Sache – wir kommen der Blogger-Night im Hallenstadion immer näher! Ihr zwei bildet quasi das „Pilot-Team“ der „Piloten-Blogger“. Hoffentlich seid ihr euch der immensen Verantwortung bewusst.

    Wünsche guten Rückflug und freue mich auf weitere animierte Schnappschüsse aus der Cockpitwelt.

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