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War Zone

20. März 2009

Wenn man so viel in der Welt herumkommt, wie in meinem Beruf, dann ist die Gefahr, dass man sich einmal zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort befindet recht gross. In Krisenzeiten, in denen berittene Invasionstruppen wieder einmal drohen Eingeborenendörfer auszuräuchern, gilt dies natürlich ganz besonders.

 

So hätte ich denn auch nicht sonderlich überrascht sein sollen, als wir kurz nach unserer Ankunft erfuhren, dass eine Invasionsstreitmacht grösseren Ausmasses kurz davor stand unser Reiseziel zu überrennen. Allerdings, so wurden wir informiert, dachten die lokalen Streitkräfte nicht daran die Waffen zu strecken, sondern planten einen Gegenangriff in die Flanke des anrollenden Feindes.

 

Offenbar bestand aber in grosser Mangel an ausgebildeten Offizieren der Artillerie und da die lokalen Behörden irgendwie herausgefunden hatten, dass ich in grauer Vorzeit einmal Minenwerfer befehligt hatte und somit wenigstens eine geringe Ahnung vom Einsatz von Bogenschusswaffen hatte, wurde ich kurzerhand genötigt im Stab einer Abteilung der Artillerie Dienst zu tun.

 

Statt des gewohnten Einzelzimmers in einem mehr oder weniger komfortablen Hotel, fand ich mich also plötzlich in einem Mehrbettzimmer einer nahen militärischen Einrichtung wieder und hatte mich unverzüglich beim kommandierenden Offizier meiner Abteilung zu melden. Von diesem wurde ich informiert, dass der Mangel an ausgebildeten Offizieren so gross war, dass ich als Chef des Teilstabes Operation eingesetzt würde und dass ich genau 24 Stunden Zeit hätte mich in die Einsatzdoktrin der Artillerie einzuarbeiten und ihm einen Einsatzplan für den für den unmittelbar bevorstehenden Gegenangriff zu präsentieren.

 

Nach fieberhafter Arbeit bis in die späte Nacht und einen paar wenig erholsamen Stunden unter schnarchenden Zimmergenossen, in denen ich mir sogar den Crewbunk herbeisehnte, wurde, zu meinem Erstaunen, mein auf tönernen Füssen stehender Einsatzplan ohne Änderungen genehmigt und sofort in die Tat umgesetzt.

 

Die Kriegsgötter waren den einheimischen Streitkräften äusserst wohlgesinnt. So konnten bereits in einer frühen Phase des Kampfes alle Steinbrücks über einen strategisch wichtigen Flusslauf zerstört werden und somit waren die Spitzenbataillone des anrückenden Gegners von dessen Hauptstreitmacht getrennt und dem Flankenangriff der lokalen Streitkräfte schutzlos ausgeliefert. Unter diesen günstigen Voraussetzungen funktionierte selbst mein handgestrickter Einsatzplan perfekt und nach nur drei Kampftagen waren die gegnerischen Invasoren zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen.

 

Zu meiner grossen Erleichterung war unsere Abteilung, obwohl andere Kampfverbände nicht so glücklich waren, ohne tote und ohne verletzte aus den Kampfhandlungen hervorgegangen und so bedankte sich mein kommandierender Offizier bei mir für meinen nicht ganz freiwilligen Einsatz und den perfekt funktionierenden Einsatzplan und entliess mich bis zur nächsten Übung unserer Reserveeinheit auf dem Führungssimulator der Schweizer Armee ins wohlverdiente Zivilleben.

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