Alles heisse Luft

Andere Länder, andere Sitten. OK, für diese Erkenntnis braucht man nicht unbedingt meinen Blog zu lesen. Trotzdem haben wir wieder einmal die Jahreszeit, in welcher sich der im zwinglianischen Zürich aufgewachsene Schreibende verwundert seine Augen reibt. Während in Luzern seltsame Gestalten ihr Unwesen treiben und, zumindest für meine Ohren, disharmonische Musik geschmettert wird, werden hier in Brasilien, wo ich nun zum dritten mal diesen Monat weilen darf, andere Traditionen gelebt.

 

In den Strassen des nahen Rio de Janeiro scheinen sich, so man den hierzulande ausgestrahlten Fernsehbildern glauben darf, zur Zeit tausende halbnackte Schönheiten in Trance zu tanzen. Da ich solchem Treiben natürlich gänzlich abgeneigt bin, bin ich meinem Brötligeber unendlich dankbar, dass er Rio bereits vor Jahren aus dem Streckennetz gekippt und durch Sao Paulo ersetzt hat.

 

Hier in Sao Paulo geht es nämlich wesentlich gesitteter zu. Keine Spur von laszivem Verhalten! Statt dessen macht sich die Bevölkerung hier zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit einen Spass daraus selbst gebastelte Heissluftballone in den Himmel steigen zu lassen. Da lässt man sich natürlich zur närrischen Zeit, nota bene in dem Land in dem sich selbst Präsident Lula ab und an durch die Verbreitung heisser Luft profiliert, vom Verbot dieser Montgolfieren nicht den Spass verderben!

 

 

Während die zum Teil riesigen, beflaggten Ballone schon für erdgebundene Zeitgenossen ein Spektakel darstellen, hatten wir heute Morgen einen besonderen Logenplatz. Im Anflug auf Sao Paulo Guarulhos durften wir nämlich etwa zwei Dutzend bunt verzierte Luftschiffchen zum Teil aus nächster Nähe betrachten. Zum Glück war das Wetter ausnahmsweise einmal so gut, dass wir einerseits das Spektakel so richtig geniessen und andrerseits durch Ausweichmanöver einer Kollision mit den unbemannten Flugobjekten vorbeugen konnten. Besonders hilfreich war in diesem Zusammenhang auch die Warnung des Anflug Controllers: „Caution hot air balloons reported in the approach.“ Natürlich hatten wir Schweizer, als frisch gebackene Weltmeister im Riesenslalom, gegenüber den bedauernswerten Piloten anderer Nationen gewisse Vorteile.

 

Das einzige was mich etwas befremdet, ist die Tatsache, dass sich, ausgerechnet in dem Land, in dem sich die Massen über eine fingierte Attacke auf eine Landsfrau im Ausland massiv empören können, kein Schwein darüber aufzuregen scheint, dass hunderte von Flugpassagieren durch das eigene verantwortungslose Verhalten massiv gefährdet werden. Aber eben – offenbar hat man hierzulande eine gewisse Affinität für die Verbreitung von heisser Luft…

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4 Antworten to “Alles heisse Luft”

  1. Flo Says:

    Nett geschrieben!
    Haben Sie die Bilder vom Hotel aus oder aus dem Flieger aufgenommen (nicht wirklich erkennbar, da auf dem 2. Bild scheinbar eine Wolkendecke unter- und oberhalb des Ballons ist)?

  2. skypointer Says:

    Hi Flo

    Beide Bilder sind während dem Anflug auf Sao Paulo aus dem Flugzeug entstanden. Wir waren auf Kollisionskurs mit dem blauen Ballon und mussten nach Sicht ausweichen! Die Wolken sind eine nur zum Teil geschlossene Hochnebeldecke, deren Untergrenze auf etwas 150 Meter über Grund lag und deren Obergrenze sich unterhalb der Ballone befand, durch die Perspektive des zweiten Fotos kann aber der Eindruck entstehen, dass die entfernte Nebelbank sich darüber befindet, was nicht der Fall war.

  3. akonstan Says:

    Ist doch nicht schlecht ab und an mal nach Sicht zu fliegen, oder?;)

    kann mir zwar vorstellen, das eine Kollision mit solch einem Ding weniger gefaerlich als ein Birdstrike ist, oder?

    Btw, toll geschrieben, und tolle Pics, weiter so!

    Gruss aus dem genauso Trueben, aber kalten London!

  4. skypointer Says:

    Hi akonstan

    Nach Sicht fliegen ist sichelich gu – dafür brauche ich aber keine Hindernisse…

    Ob Vogel oder Ballon gefährlicher ist, kann ich Dir nicht sagen, ich möchte es aber auch nicht ausprobieren…

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