Höhen und Tiefen

Da unser Planungsrechner, nachdem er mich monatelang in die USA geschickt hat, nun offenbar beschlossen hat, dass ich plötzlich zum Brasilien Fan mutiert bin, fliege ich diesen Monat exklusiv oder anders gesagt ausschliesslich nach Sao Paulo. Natürlich besteht da, obwohl sich die brasilianischen Rachegelüste gegenüber Schweizer Staatsbürgern, sofern man unserer Presse ausnahmsweise einmal glauben darf, mittlerweile wieder gelegt haben sollen, die akute Gefahr, dass ich diesen Monat nicht ohne körperliche Schäden überstehen werde. Durch das abtragen von hohen Fleischbergen und zu tiefes in Glas schauen bei der Vernichtung der obligaten Caipirinha, besteht nämlich die akute Gefahr von Fleischvergiftungen und Leberzirrhosen. Mein Kampf dagegen soll aber hier nicht das Thema sein, auch wenn ich meine geplante Abspeckkur wohl oder übel um einen Monat aufschieben muss – mein Fliegerarzt wird es mir hoffentlich verzeihen!

 

Als positiven Nebeneffekt meines Exils in Brasilien, durfte ich, kurz vor dessen Abschaffung und zum ersten mal in meiner Karriere, den Verlängerungsflug nach Santiago de Chile, mit seiner spektakulären Andenüberquerung, durchführen.

 

Meine Enttäuschung darüber, dass wir windbedingt die nördlichste der zur Auswahl stehenden Routen nehmen sollten und damit den mit 6.962 m höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua nur aus der Ferne sehen sollten, wurde durch die Erkenntnis aufgehoben, dass unser Flugweg genau über die berühmten Iguaçu Fälle führen würde. Ich konnte also sozusagen in einem einzigen Flug die Höhen und Tiefen des südamerikanischen Kontinentes ausloten!

 

Der Flug begann allerdings mit einem weiteren Tiefschlag: Da die Crew, welche das Flugzeug nach Sao Paulo brachte, wegen Schneegestöbers in Zürich etwa 45 Minuten zu spät abflog und da kurz vor unserem Abflug ein Gewitter über dem Flugplatz einen kurzfristigen Pistenwechsel nötig machte, war die Verspätung zu gross, als dass es in Santiago noch für einen Besuch im Taxfree Shop reichen würde. Mein Weinkeller würde also auf eine Verstärkung durch selbst eingeflogenen chilenischen Wein verzichten müssen. Das Leben ist schon hart…

 

Der Flug war allerdings spektakulär. Als wir langsam in die Nähe der Iguaçu Fälle kamen befanden wir uns über einem grossen vom Iguaçu Fluss durchschnittenen Waldgebiet, an dessen westlichem Ende die Rauchsäule eines kleineren Waldbrandes zu sehen war. Erst beim näherkommen erkannte ich, dass es sich statt um Rauch um die Gischt der gesuchten Wasserfälle handelte!

 

 

 

Später überflogen wir den Zusammenfluss des blauen Paranà und des durch Schwemmstoffe braunen Paraguay. Hier konnte man deutlich sehen wie lang es dauert, bis sich das Wasser der beiden Flüsse durchmischt hat. Es folgten fast surreal aussehende, von meandrierenden Flüssen geprägte Gegenden, die dann durch die schier endlose argentinische Pampas abgelöst wurden.

  

   

 

Kurz vor San Juan konnten wir dann die Anden erblicken, wo zu meinem erstaunen nur die höchsten Gipfel schneebedeckt waren. Der Rest des Gebirges war knochentrocken und erinnerte mich, mit seinen von Erosion zersetzten und in allen Farbschattierungen schillernden Gebirgskämmen, an NASA oder ESA Bilder vom Mars. Dank einer Abkürzung konnten wir im Sinkflug auch noch den Aconcagua aus der Nähe sehen und so kann ich nun in Zukunft, gegenüber den weniger glücklichen, die diesen nicht mehr erleben werden, ebenfalls vom grossartigen Santiago Turnaround schwärmen.

 

 

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