Besetzt

An sich ist der Crewbunk ja eine geniale Erfindung, kann doch der überarbeitete Pilot dort seine müden Glieder strecken und für ein paar Stunden etwas Ruhe finden, um beim Aussteigen am Zielflughafen nicht sofort als Zombie verhaftet zu werden.

 

Leider hat diese Kammer aber ein paar Designmängel, von denen jeder Pilot ein Lied singen kann. So ist schon die Lage zwischen Galley und Cockpit eher suboptimal, da dauernd Trolleys gegen die papierdünne Trennwand zur Küche donnern und die dadurch hervorgerufenen Erschütterungen den im Halbschlaf verharrenden Piloten aus seiner Koje zu werfen drohen. Ebenfalls kriegt der schlaftrunkene Luftfahrer, jedes mal wenn die Panzertüre zum Cockpit geöffnet wird, einen dem herbeigesehnten Schlaf ziemlich abträglichen Adrenalinstoss, da der Öffnungsmechanismus der Cockpittüre verdächtig nach einem Schuss aus einer Kleinkaliberwaffe tönt! Wehe wenn dann die Türe, statt sanft ins Schloss gedrückt zu werden, einfach zugeknallt wird, dann kann man sich nach der Ankunft direkt zum Ohrenarzt begeben um das erlittene Knalltrauma behandeln zu lassen…

 

Natürlich sind die Bunks auch zu schmal und, zumindest in der Kanadischen und Österreichischen Ausführung, viel zu kurz. Wer sich ein genaueres Bild davon machen möchte, kann bei meinem Kollegen nachlesen.

 

Das grösste Problem mit dem Crewbunk liegt allerdings nicht in seiner Konstruktion, sondern ist viel subtiler, nämlich tiefenpsychologischer Natur. So scheint, aus bisher unerforschten Gründen, die Engnis der Pilotenruhekammer bei den ansonsten unerschrockenen potentiellen Luftfahrthelden, eine Art unterbewusste Urangst auszulösen, die sich in einer akuten Inkontinenz manifestiert. Vermutlich handelt es sich hier um ein ähnliches Zusammenspiel wie zwischen Skilift und Blasenschwäche bei Frauen, welches zwar wohlbekannt, aber meines Wissens auch nicht näher erforscht ist.

 

Jedenfalls kann der durchschnittliche Pilot, auch wenn er sonst nicht an einer schwachen Blase leidet, kaum mehr als eine Stunde im Crewbunk verbringen, bevor sich langsam ein unangenehmer Druck anstaut. Erschütterungen, ob sie nun von leichten Turbulenzen oder von gegen die Bunkwand donnernden Trolleys stammen, versetzten die Blase dann in resonante Schwingungen, die nach einer weiteren halben Stunde Kampf gegen das frühzeitige Aufsuchen der Toilette, zur unvermeidlichen Kapitulation führen.

 

Das richtig perfide am Crewbunk ist nun aber, dass es dort, im Gegensatz zum Cockpit, keine Anzeige gibt, ob die Toilette besetzt ist oder nicht.  Natürlich ist  jedes mal, wenn der geplagte Pilot sich schliesslich entschieden hat endlich Druck abzulassen, um sich danach möglichst rasch wieder dem wohlverdienten Schlaf zuzuwenden, die Toilette mit einem Passagier besetzt. Nicht irgend ein Passagier – nein einer von der Sorte, die das stille Örtchen etwa 20 Minuten für sich monopolisiert!

 

Was kann man eigentlich so lange auf einer Flugzeugtoilette treiben? Alleine natürlich! Die Zeitung hat man schon Stunden zuvor das zweite Mal gelesen und so richtig gemütlich ist es ja in dem engen und stinkigen Kämmerchen auch nicht. Grosses Geschäft? Ok, 5 Minuten. Rasieren oder Schminken? Weitere 5 Minuten. Und dann??? Haben diese Leute eigentlich weder Mitleid noch Skrupel? Schliesslich soll der berühmte Astronom Tycho Brahe bereits 1601 elend an einem Blasenriss zu Grunde gegangen sein! Ich jedenfalls fordere eine Beslotung der Flugzeugtoiletten oder falls dies unmöglich sein sollte, wenigstens eine maximale Verweilzeit…

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6 Antworten to “Besetzt”

  1. tbones Says:

    Ich dachte eigentlich, dass die Cockpittür aus Sicherheitsgründen nur minimal oft geöffnet werden soll und daher die Crew eine eigene Toilette hat. Oder ist das flugzeugtypspezifisch?

  2. skypointer Says:

    Hi tbones

    Mir ist kein Flugzeugtyp bekannt in dem die Cockpit Crew eine eigene Toilette hat. Das käme wohl viel zu teuer, da die bestehenden Flugzeuge massiv umgebaut werden müssten.

    Der Sicherheit wird genüge getan indem vor dem Öffnen der Cockpittüre mittels Überwachungskamera überprüft wird ob jemand und, falls ja, wer vor der Türe oder im Galley steht. Wenn ein Unbekannter dort steht, dann darf die Türe nicht geöffnet werden.

    Auch in bei zukünftigen Flugzeugtypen sind keine speziellen Toiletten für die Flight Crew geplant. Allerdings sind bestimmte Bestrebungen im Gange statt einer einzelnen Türe ein Schleusensystem mit zwei Türen als Cockpitzugang zu verlangen.

    Wir werden also auch in Zukunft das Cockpit verlassen dürfen/müssen um unsere Notdurft zu verrichten – es sei denn eine Amtsstelle kommt auf die grandiose Idee, dass wir Piloten Windeln tragen oder in Flaschen pinkeln müssen. Das wäre dann der Tag an dem ich mich nach einem neuen Job umsehen würde… 😉

  3. svenson Says:

    Ich sehen schon, um die Pilotenblase etwas zu ärgern, sollte einfach etwas vor der Cockpittüre rumgelümmelt werden. Schon seid gezwungen vorne zu bleiben;)
    Ich leide immer, wenn es bei unserer Old-lady rüttelt. Das ist im Grunde multitasking…solltest eigentlich Fliegen, verbringst die zweit jedoch mit gedanken an die voooolllee Blase und wie viel Zeit wohl noch bis zum Ende der Flugstunde vergeht..

  4. skypointer Says:

    Hi svenson

    Volle Blase führet zu schlechter Landung – eine alte Fliegerweisheit.

    Wenn Du zu lange vor meiner Cockpittüre rumlümmelst, dann hetze ich dir das Galley Flight Attendent auf den Hals! Das kann für Dich erfreulich sein oder weniger – je nach dem… 😉

  5. Niko Says:

    Hat da jemand Urlaub?
    Ich brauche meeeeeehr zum lesen 😀
    Mein absoluter lieblings Block hier…

  6. skypointer Says:

    Hi Niko

    Besten Dank für die Blumen. Urlaub steht erst Anfang März an…

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