Den Tiefkühler gewechselt

Eigentlich sollte ich letzten Freitag nach New York fliegen, aber als ich am Donnerstag Abend von Tel Aviv kommend, also aus dem Kriegsgebiet – oder ist es nur ein Krisengebiet oder herrscht gar Frieden obwohl 80 Kilometer entfernt die Raketen fliegen? – in Zürich landete, spuckte der Computer eine Einsatzänderung aus, der zu entnehmen war, dass ich, statt den Big Apple besuchen, zu Hause Reserve schieben musste. Ähnlich wie im Nahostkonflikt war die Sachlage aber auch hier nicht ganz eindeutig, da das Warten auf einen Einsatz entweder bis Sonntag oder, gemäss einer zweiten Variante, bis Montag dauern sollte. Ziemlich verwirrt suchte ich deshalb die Crew Dispo auf, wo mir der friedliche Konflikt im kriegerischen Gazastreifen allerdings auch nicht erklärt werden konnte.  Statt dessen kümmerte sich die nette Dame um meinem Eisatzplan und meinte, dass meine Reserve eigentlich nur bis Sonntag geplant sei, dass ich aber morgen Freitag sehr wahrscheinlich nach Tokyo fliegen würde, womit dann mein Einsatz doch erst am Montag ende. Alles klar?

 

Zu Hause angekommen begann ich natürlich sofort zu überlegen wo ich am Samstag mein Sushi essen soll. Da aber sehr wahrscheinliche Wahrscheinlichkeiten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht eintreffen, wurde ich am Freitag dann doch nicht nach Tokyo, sondern am Samstag, mit minimaler Vorwarnung, nach Chicago geschickt.

 

Der Wetterbericht für Chicago sah aus als ob er von Zürich abgeschrieben worden wäre. Ich durfte also während knapp 10 Stunden von einem Tiefkühler in den anderen fliegen. Kurz vor Chicago mussten wir aber feststellen, dass auch Wetterprognosen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht zutreffen, denn es schneite entgegen allen Vorhersagen so stark, dass von den sieben Pisten alle bis auf eine geschlossen waren und natürlich war diese so kurz und rutschig, dass für uns dort eine Landung unmöglich war. Deshalb durften wir noch eine halbe Stunde Kreise drehen, bis eine längere Piste vom Schnee befreit war und wir schliesslich mit einer beträchtlichen Verspätung doch noch im winterlichen Chicago landeten.

 

Nach unserer Ankunft im Hotel liessen wir uns natürlich weder vom Schneesturm noch von der Verspätung davon abhalten ein Prime Rib zu geniessen. Das Fleisch war zwar hervorragend, aber der Fussmarsch zum altehrwürdigen Lawry’s wurde zur Tortur, da wir auf dem Trottoir, trotz sieben Minusgraden, knöcheltief im Schneematsch versanken, so dass die braune Brühe bald in meinen an sich wasserfesten Winterschuhen umher schwappte. Offenbar wird in Chicago statt Schnee zu räumen einfach tonnenweise Salz verstreut. Andere Länder, andere Sitten.

 

Die Ironie des Schicksals wollte es so, dass ich auf dem Heimflug im sonntäglichen Blätterwald über einen Bericht stolperte, in dem die Qualität der Winterdienste in verschiedenen Schweizer Städten verglichen wurde. Verliererin dieses Vergleiches war die Stadt Bern, da offenbar die Trottoirs zum Teil leicht vereist waren. Probleme haben diese Journalisten…

 

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