Miami zum Zweiten

Die Frau Holle hat es gut gemeint mit uns und im Verlauf der Nacht auf den Montag die Schweiz zwar unter einer weissen Daunenschicht begraben, sich aber ab Mittag eine wohlverdiente Pause gegönnt und so konnten wir, als auch die beiden letzten Passagiere es noch auf unseren Flug geschafft hatten, trotz der weissen Pracht noch einigermassen pünktlich Zürich verlassen. Mit einer sanften Linkskurve steuerte ich den A340 nach dem Start auf der Piste 16 Richtung meiner Wunschdestination Bangkok, um dann im weiten Bogen zurück über den uniquen Fluglatz zu drehen und anschliessend Kurs auf Frankreich und dahinter den Atlantik zu nehmen. Das Flugziel hiess, wie könnte es anders sein, wieder einmal Miami.

 

Nicht dass ich diese Destination gewünscht hätte – dafür ist der Flug in der zwei Mann Besatzung einfach zu lang – aber unser Planungsroulette scheint beschlossen zu haben, dass ich ein USA Fan bin. Eigentlich steht in meinem Wunschfile Bangkok und Hong Kong, aber das scheint den Rechner nicht zu interessieren und so fliege ich eben wieder einmal über den grossen Teich ins zukünftige Obama Land.

 

Dank einigermassen guten Winden können wir mit einer pünktlichen Ankunftszeit in Miami rechnen und auch die Atlantiküberquerung verläuft, abgesehen von einigen Turbulenzen wegen einer atlantischen Gewitterfront und einer durch diese bedingten Panikattacke eines Economy Class Passagiers, ruhig. Da Herr Bush es nicht schätzt wenn wir im Cockpit Besuch empfangen, müssen wir den verängstigten Passagier mittels Bordtelefon beruhigen.

 

Meine meteorologische Abhandlung und der Vortrag über Atmosphärenphysik scheinen den Herrn allerdings nicht sonderlich zu interessieren, so dass er, wohl um sich meinen Erläuterungen zu entziehen, schliesslich behauptet sich etwas besser zu fühlen.

 

Der Anflug beginnt über den Bahamas, führt uns dann Richtung Fort Lauderdale und weiter der Küste entlang über Miami Beach auf die Piste 12. Wie hier üblich, können wir verkehrsbedingt nicht wie gewünscht absinken und so sind wir bald recht hoch im Anflug. Als sich dann der ATC Kontroller noch verrechnet und wir uns deshalb etwas nahe am vorderen Flugzeug befinden, müssen wir noch eine Zusatzschlaufe drehen. Zu hoch sind wir nun nicht mehr, aber leider verrechnet sich der Fluglotse erneut und so stimmt nun zwar der Abstand zum Vordermann, aber dafür sind wir jetzt ziemlich weit weg von der Pistenachse. Der Radarist scheint nun mit seinem Latein am Ende zu sein und fragt uns, ob wir die Piste bereits sehen können. Als wir dies bejahen, weist er uns an, seien verkorksten Anflug nach Sicht zu einem guten Ende zu bringen, was wir dann auch machen.

 

Gerne würde ich nun wieder über die butterweiche Landung berichten, aber diesmal machte mir die Konstruktion des A340 und wohl auch meine Müdigkeit einen Strich durch die Rechnung. Während ich nämlich die ersten Räder des Hauptfahrwerks noch schön fein auf die Piste zirkle, knallt kurz darauf das Centergear gehörig auf den Boden. Dies ist eine bekannte Charakteristik des A340, da Airbus bei den Stossdämpfern des Mittelfahrwerks offenbar 1 Mikrometer Hub als ausreichend erachtet. Ich habe in der Umschulung endlose Abhandlungen darüber gehört wie man den unkomfortablen Aufschlag des Centergears vermeidet, aber ich muss zugeben, dass die Umsetzung und der Erfolg all der guten Ratschläge noch immer zu einem rechten Teil vom Zufall abhängt. Heute hat es jedenfalls wieder mal nicht geklappt und deshalb bin ich froh, dass der Passagier mit dem Bandscheibenvorfall auf meinem letzten Flug war, da ich mich sonst wohl vor typisch amerikanischen Schadenersatz und Schmerzensgeld Forderungen fürchten müsste…

 
 

 

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3 Antworten to “Miami zum Zweiten”

  1. philippe Says:

    Hallo Schreiber
    Danke für deinen Bericht. Seit ich vielflieger bin interessieren mich berichte von Piloten:)
    Allerdings bin ich sehr verärgert, denn als ich letztes Jahr nach Miami flog war da noch der A330 im Einsatz mit den äusserst unbequemen Sitzen 🙂
    Gut Flug weiterhin und ich freue mich auf deine Texte.
    Philippe

  2. Niko Says:

    Hallo!
    Bin gerade neu auf diesen Blog gestossen.
    Toll wenn so offen über die Fliegerei geplaudert wird.

    Vielleicht könntest du kurz noch erläutern was es für Tricks gibt um den A340 sanft zu landen, was das Centergear angeht.

    Vielen Dank!
    Niko

  3. skypointer Says:

    Besten Dank für die Blumen…

    @ pilippe
    heute ist die A34o füe Miami im Einsatz, aber wegen technischen oder operationellen Problemen kann es auch heute noch vorkommen, dass auf diesr Strecke die A330 eingesetzt wird. Ab März 2009 werden die alten A330-200 aber sukzessive von Fabirkneuen A330-300 abgelöst, die dann noch bequemere Sitze als die A340 haben sollten…

    @Niko
    Wenn man das Maingear sanft zu Boden gebracht hat, dann muss mann das Centergear durch leichtes Stossen am Sidestick landen. Dadurch sollte es sanft werden. Wenn das Stossen ausbleibt oder müdigkeitsbedingt zu spät erfolgt, so ist die Gefahr gross, dass es knallt. Nicht gefährlich, aber doch ein unerfreulicher Abschluss eines Fluges!

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