Change

Es ist also vollbracht. Wir haben einen neuen Präsidenten gewählt. Also eigentlich nicht wir, sondern die USA, aber an solchen Details wollen wir uns jetzt nicht stören, nun da der von den meisten so sehnlichst herbeigesehnte Wechsel an der Spitzte des amerikanischen Staates endlich stattfinden wird. Es ist schon erstaunlich welche Euphorie ein einziges Wort in den letzten Monaten in der ganzen Welt hervorgerufen hat. Bis vor kurzem haben noch Worte wie Bonus, Profit und Rendite die Welt verzückt, aber diese sind mittlerweile in Misskredit geraten und wurden durch ein einziges Wort abgelöst:

 

change

 

Mit diesem einfachen Wort kann man also Massen mobilisieren und Wahlkämpfe gewinnen und so werden wohl bald auch bei uns Politiker und Manager mit diesem neudeutschen Wort versuchen sexy zu wirken. Leider sind aber nicht alle Leute in unseren Breiten der Englischen Sprache mächtig, so dass Missverständnisse bereits vorprogrammiert sind.

 

Das Konsultieren des Oxford Dictionary fördert eine verwirrliche Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten dieses, auf den ersten Blick so unscheinbaren Wörtchens hervor und während Bedeutungen wie Wechselgeld, wegen der derzeitigen Unpopularität alles monetären, als eher unproblematisch erachtet werden können, bergen andere Übersetzungen die Gefahr, sich in höchst unerfreulichem Masse auf unseren Alltag auszuwirken.

 

Die offensichtlichste Fehlinterpretation ist die Änderung und bereits heute leiden wir Piloten unter dieser, da in Erwartung, dass der change proklamierende Kandidat auch gewählt würde, schon seit Monaten möglichst viele Änderungen in unseren Monatseinsätzen untergebracht werden. Ebenso werden, mit grossem Eifer, Änderungen in unseren Büchern vorgenommen und danach mittels eines sogenannten Change Bulletin kommuniziert.

 

Auch Wechsel ist nicht was der künftige Präsident der USA im Sinn gehabt hat als er change zu seinem Wahlkampfthema erhob. Selbst wenn nur seine ärgsten Neider behaupten er habe mit dem Wechsel des Namensschildes am weissen Haus sein Hauptziel bereits erreicht, ist die Interpretation von change als Wechsel bis heute äusserst populär. So haben sich mittlerweile ganze Bevölkerungsschichten zu einem Wechsel der Bank hinreissen lassen und auch ich konnte nicht widerstehen und habe vor kurzem zwar nicht die Bank, aber wenigstens die Reifen an meinem fahrbaren Untersatz gewechselt. Selbst die künftige First Lady musste, nach der zugegebenermassen etwas unfairen medialen Kritik an ihren Designerklamotten, einen Wechsel ihrer Garderobe vornehmen und sich, um der Wahlchancen ihres Ehegatten willen, für die Dauer des Wahlkampfes in schlecht sitzende Billigkleider vom Rabatthändler stecken lassen. Davon inspiriert wurde auch in unserer Firma ein Wechsel der Uniformen beschlossen. Zur Zeit wird gerade evaluiert, ob man sich für Designer- oder Billiguniformen entscheiden soll.

 

Ohne den künftigen Leithammel unserer Welt zu bevormunden, kann man sagen, dass er mit change eigentlich Wandel meinte. Leider ist auch diese Bedeutung nicht ohne Gefahr, moniert doch der Oxford Dictionary, in typisch britischer Manier, sofort griesgrämig, dass es sowohl den Wandel zum Guten als auch denjenigen zum Schlechten gibt und es ist selbst mir als eher gelangweiltem Wahlkampfbeobachter aufgefallen, dass sich Barak Obama, obwohl die ganze Welt vom ersten Fall auszugehen scheint, nie wirklich festgelegt hat – es bleibt also spannend.

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