EFB

Jeder kennt sich heute damit aus, dem berufsspezifischen Abkürzungsjungel. Der Pilot von heute, ganz besonders wenn er einen sogenannten Luftbus kutschiert, bildet da natürlich keine Ausnahme. Ein Fallbeispiel (EFB) gefällig? CIDS, FCU, CPDLC, FCDC, BSCU und etwa tausend weitere Kürzel können nur noch den blutigen Anfänger schockieren. Aber es gibt da eine ganz besonders perfide Buchstabenkombination, die jedem Piloten sofort den Angstschweiss auf die Stirn treibt: EFB.

 

EFB steht für das neudeutsche Electronic Flight Bag (für nicht Angelsachsen: elektronische Flugtasche). Der Crewbag also, die Pilotentasche, aber in elektronischer Form. Wie soll denn das gehen, werdet ihr Euch sicher fragen.

 

Nun denn: Der Crewbag hat in der Fliegerei grosse Tradition und galt früher als das Erkennungssymbol des Piloten schlechthin. Da damals Pilot noch mit coolen Typen mit hohem Sozialstatus und noch höherem Einkommen assoziiert wurde, war der Crewbag nicht nur zum Verstauen der Arbeitsutensilien (Whiskeyflasche und Sonnenbrille) nützlich, sondern er half auch beim Landen beim weiblichen Geschlecht. Das rief natürlich sofort Neider und Nachahmer auf den Plan und so liefen bald Lokführer, Ärzte und Juristen mit ähnlichen Taschen durch die Gegend. Das führte schliesslich paradoxerweise soweit, dass man als Pilot auf dem Arbeitsweg, am Bahnhof, für ein Lokführer gehalten und als wandelnde Auskunft missbraucht wurde.

 

Um der Verwechslungsgefahr vorzubeugen und um peinliche Situationen zu verhindern, führte Swissair in den Neunzigerjahren zuerst blaue Colanikisten und danach besonders hässliche Gummitaschen ein. Leider beides mit mässigem Erfolg.

 

Anfang Jahr begann Swiss deshalb mit einem völlig neuen Ansatz. Da Whiskey bereits vor Jahren aus dem Cockpit verbannt und die Sonnenbrille schlicht vergessen wurde, kamen findige Köpfe auf die Idee alle Bücher und Karten elektonisiert in einen Laptop zu stopfen. Das EFB war geboren und der Crewbag tot. Zugegebenermassen ein genialer Schachzug.

 

Leider bringt ein Laptop im Cockpit neue Probleme mit sich und so zeigte sich bereits in der Versuchsphase, dass der Bildschirm die Sicht auf die Instrumente versperrt. Die Lösung war die sogenannte Tempoklinge – das Paceblade. Das ist ein Tablet PC, sozusagen ein Touchscreen mit integriertem Laptop. Leider sind aber diese Bildschirme so schwachbrüstig, dass man schon bei moderater Sonneneinstrahlung fast nichts mehr erkennen kann. Da erweist es sich als Glücksfall, dass der Pilot mangels Crewbag keinen Platz mehr für eine Sonnenbrille hat, da er mit dieser sozusagen nur noch schwarz sehen würde.

 

Das grösste Problem stellt allerdings die Stromversorgung dar. Da jeder Pilot ein EFB benötigt und da auch die Mängelliste der Kabine auf einem Laptop elektronisiert wurde, wimmelt es im Cockpit von heute von lebensgefährlichen Stolperdrähten. Die Steckdosen, sofern vorhanden, wurden am untersten und unzugänglichsten Ort angebracht und müssen deshalb ertastet werden. Die Copiloten werden dann, beim einstecken der Netzteile im Handstand, durch leichte Stromstösse mit Energie versorgt, so dass sie genügend Saft haben die Flugroute zusätzlich zum Navigationsrechner noch zwei mal ins EFB einzugeben. Ein absolut ausgeklügeltes System!

 

Statt jetzt noch auf schlecht kalibrierte Touchscreens, verzerrte Bildschirmtastaturen und ständiges Herunterfahren in den Standby Mode einzugehen, möchte ich Euch lieber auffordern selbst einen Kommentar zu meinem Blog zu verfassen, mich interessiert Euer Feedback – EFB eben.

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6 Antworten to “EFB”

  1. Elias Says:

    Guten Tag,

    ich muss sagen dass mir der Text sehr gut gefallen hat…liest sich super und ist einfach klasse geschrieben!!
    Bitte mehr! 🙂

  2. Peter Says:

    MFB (Mein Feed Back)
    Also ich freue mich über einen neuen Schreiberling aus der fliegenden Zunft. Die haben viel Interessantes zu berichten, können meist sehr gut schreiben und haben genügend Zeit dazu in den Starbucks around the world…. ui, jetzt verzieh ich mich wohl besser.
    Gruss
    Peter

  3. skypointer Says:

    Von einem Appenzeller lass ich es mir gefallen, auch wenn er genau wie ich Landflucht begangen hat…

  4. nff Says:

    mehr,mehr, mehr!

    Gruss aus JNB

    nff

  5. Nur fliegen ist schöner » Der Garmin Schock Says:

    […] EFB geplagter Airbus Copilot in einem kleinen Sportflieger und kriegte eine perfekte Umsetzung des EFB Konzeptes präsentiert. Keine Stolperdrähte, kein Handstand, keine Stromstösse, keine unlesbaren […]

  6. Rauchpause « Nur fliegen ist schöner Says:

    […] Blick schweift über das EFB, welches wieder einmal nur einen schwarzen Bildschirm zeigt. „Zum Glück werden die Scheissdinger […]

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