Die schreibende Zunft

Nun sie gehört wahrlich nicht zu meinen Favoriten, die schreibende Zunft. Warum haue ich dann trotzdem in die Tasten? Vielleicht liegt es daran, dass ich heute, auf dem Nachtflug nach Johannesburg, feststellen musste, dass der Tagesanlüger aus dem, vor ein paar Tagen, auf unserem einzigartigen – sprich unique – Flughafen tragisch abgestürzten Sportflugzeug einen Jet gemacht hat und ich mich fragte, ob alles wovon ich nichts verstehe, in den Zeitungen ebenso fehlerhaft dargestellt wird. Oder hat mich der schreibende Kollege, mit dem ich letzte Woche nach Tokyo flog, angesteckt? Vielleicht sind es, passend zum Piloten, die ersten Anflüge von midlife Crisis? Keine Ahnung, who cares – es macht jedenfalls Spass und hilft die Zeit zwischen Fitness und Filet zu verkürzen.

 

Apropos Fitness: Da habe ich mich gerade eine Stunde abgekämpft. Ja, schon gut, es war nur eine halbe Stunde, aber länger habe ich es nicht ausgehalten. Ich kann mir auch nicht erklären warum die Fitnessstudios in den Hotels immer in fensterlosen Kellerräumen untergebracht werden. Hier in Johannesburg steht ein Prototyp einer solchen Folterkammer: Gerätemässig zwar gut bestückt, ist der Raum natürlich fensterlos, da man sich sonst an den violetten, in Vollblüte stehenden Jacarandabäumen ergötzen könnte. Zudem ist der Raum in düsteren, afrikanischen Rot- und Ockertönen gehalten und das gedämpfte Licht sorgt dafür, dass die von einer weiteren Freinacht strapazierten Augen, nicht plötzlich unnötig geblendet werden. Man kann also weiterhin im Halbdelirium vor sich hin dämmern. Keine Musik lenkt vom qualvollen Martyrium auf der Rudermaschine ab und keine Flimmerkiste bewahrt das abgekämpfte Crewmember auf dem Hometrainer vor dem Eindösen. Der Arzt, der am jährlichen medical Check zu mehr Sport mahnt, hat offensichtlich keine Ahnung von der Tristesse eines Hotel – Fitnesscenters!

 

Auch von den Versuchungen des Pilotendaseins hat der Fliegerdoktor keine Ahnung. Weniger futtern höre ich mit erstaunlicher Regelmässigkeit. Das fällt hier im Süden Afrikas nun mal besonders schwer. Dennoch werde ich seinen Rat befolgen und heute Abend statt des T-Bone Steaks das kleinere Filet bestellen. Da aber mein labiler Charakter auch den önologischen Versuchungen Südafrikas nicht wird widerstehen können, werde ich mich morgen wohl in den düsteren Gefilden des Fitnessraums wiederfinden.

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: